Mit Vergebung leichter ins Neue Jahr

Von Sonja |
1. Januar 2026 |
Get-Together beim Sonntag 2.0 in Bramberg

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für Heilung und Befreiung ist oftmals Vergebung.

Das mag uns auf den ersten Blick vielleicht nicht so schmecken. Warum sollte ich meinem Nachbarn, der mich jahrzehntelang mit seinem Rasenmäher quält, vergeben, und was hat das mit meiner Gesundheit und mit meiner seelischen Verfasstheit zu tun? Womöglich mehr als uns lieb ist. 

Der Volksmund weiß, dass einem belastende Dinge auf den Magen schlagen, an die Nieren gehen können, dass es uns vor Schreck die Stimme verschlagen kann oder wir vor lauter Last ganz krumm werden im Rücken. Manchmal werden wir auch kreidebleich, wenn wir schlechte Nachrichten bekommen oder Angst haben, andere Male wutrot oder grün vor Neid. Will sagen: Unser Körper, wie ihn Gott erschaffen hat, spricht eine relativ deutliche Sprache. Wenn wir auf ihn hören und auf Ursachenforschung gehen, lösen sich nicht selten im Gefolge auch physische Leiden. 

Besonders problematisch ist es, wenn wir eine Unvergebenheit im Herzen tragen, Groll gegen jemanden hegen. Nicht umsonst heißt es in der Heiligen Schrift, dass wir unseren Nächsten siebenundsiebzigmal vergeben sollen! 

Priester, die wie Pater Andreas Hasenburger im Befreiungsdienst tätig sind, berichten immer wieder, dass Menschen erst wirklich freikommen, wenn sie vergeben. Umgekehrt heißt das, dass Unversöhnlichkeit die göttlichen Ströme von Heilung und Befreiung von uns abhalten kann. 

Es kann schon eine Wucht sein, dass wir unseren Eltern, die uns vielleicht jahrzehntelang nicht gut behandelt haben, verzeihen sollten. Und zwar nicht nur einmal, sondern siebenundsiebzigmal! Das heißt jedes Mal viele Male, wenn wir die betreffende Person sehen – immer, wenn erneut etwas hochkommt. 

Das Wunderbare aber ist: Wir müssen das nicht aus eigener Kraft tun – das ist bei ganz schlimmen Dingen aus menschlicher Sicht ja kaum möglich –, sondern mit Gottes Hilfe. Wir können Gott darum bitten, dass er uns hilft, einem Menschen zu vergeben, dass er uns die Gnade der Vergebung schenkt. 

Wesentlich ist, dass wir eine Entscheidung treffen und bei dieser bleiben: Ich will vergeben! Auch, wenn sich unversöhnliche Gedanken wieder einschleichen, und das werden sie wahrscheinlich tun.

Wenn wir uns dazu entscheiden, jemandem zu vergeben, machen wir uns selbst ein großes Geschenk. Zusätzlich lassen wir die andere Person frei, sodass auch bei ihr Heilung oder Befreiung geschehen kann, wenn es Gottes Wille ist. 

Am allermeisten freut sich Jesus, wenn wir vergeben, denn er will nichts mehr als unsere Freiheit. Unvergebenheit bindet uns nämlich ziemlich an die betreffende Person und behindert somit auch unsere Entwicklung im Glauben. Genau genommen stehen Groll und Unvergebenheit dann zwischen Jesus und dir. 

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Bibel im Matthäusevangelium (Mt 18,21-22) sogar von der Pflicht zur Vergebung spricht:

„Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Groll und Zorn sind Gott ein Gräuel – weil er uns liebt! Im Epheserbrief (4,26) warnt Apostel Paulus deswegen:

„Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen.“

Was uns weiters helfen kann, sich zu Vergebung und Loslassen von lange gehegtem Zorn durchzuringen, ist das Wissen, dass Jesus uns ALLES vergeben hat. Wir, die wir uns ständig gegen ihn versündigen, dürfen diese Barmherzigkeit gewissermaßen weitergeben an unsere Geschwister, die uns Unrecht getan haben. Daher heißt es im Vaterunser:

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ 

Ein weiterer Aspekt puncto Vergebung ist es, sich selbst zu vergeben. Für Entscheidungen, die wir vielleicht ein zweites Mal so nicht mehr treffen würden. Da hilft wieder der Gedanke, dass Gott selbst auf krummen Zeilen gerade schreibt und dass Gott Pläne des Heils hat. Sprich: Es war okay so, wie es war, Gott hat so manches vielleicht aus gutem Grunde zugelassen – aus einem Grunde, den wir selbst nur noch nicht sehen. Nur Gott hat das „big picture“, wir müssen uns manchmal mit Puzzleteilen begnügen, die aber stetig mehr werden können, wenn wir versöhnlich mit unserer Vergangenheit und unserem Ist-Zustand umgehen. Wenn wir ständig im Bedauern darüber sind, was war oder nicht war, bindet uns das wieder. Stattdessen können wir Jesus unsere vielleicht nicht so schönen Lebensperioden oder -ereignisse hinlegen und sagen: heile du, mach du! Je schwächer wir sind, desto stärker kann Gott in uns wirken. Beim Richten über uns selbst ist es wie beim Richten von anderen: Das sollten wir besser Gott überlassen. „Ich, ich, ich“ führt meistens ins Verderben. 

Beim Vergeben brauchen wir nur zu sagen: „Ich will“ (vergeben), tun können wir’s letztlich nur mit Gottes Gnade. 

Dennoch gibt es gute konkrete Hilfestellungen, wie wir’s anstellen können mit dem Verzeihen. Pater Andreas Hasenburger hat in seinem Vortrag Ende November bei uns im Pfarrverband die vier Schritte der Vergebung von Professor Tomislav Ivančić empfohlen. Der kroatische Theologe Ivancic (verstorben 2017 in Zagreb) hat die überaus fruchtbare Hagiotherapie entwickelt, eine seelsorgerisch-psychologische Methode zur Heilung der Geistseele. 

Die vier Schritte der Vergebung

(nach T. Ivancic)

1. Der Person von Herzen vergeben, was sie mir angetan hat.

2. Die Person so annehmen, wie sie ist und nicht so, wie ich sie haben möchte.

3. Gott dafür danken, dass diese Person so ist, wie sie eben ist und eben nicht so, wie ich sie haben möchte.

4. Dann kann ich beten: Herr, Dein Wille geschehe mit ihr/ihm! 

Get-Together beim Sonntag 2.0 in Bramberg

Verzeihungsgebet

Jesus, in deinem Namen und mit Deiner Kraft, mit meiner Kraft geht es nicht, verzeihe ich (Name). Ich segne (Name) in Deinem heiligen Namen. Rette (Name)s Seele, oh Herr, und heile mich von allen inneren Wunden, die ich durch (Name) bekommen habe.

Heiliger Geist, reiße alle bitteren Wurzeln dieser Pflanzen heraus, die nicht vom himmlischen Vater eingepflanzt sind. Jesus, gieße Dein kostbares Blut in diese Wunden und heile mich. Amen.

Vater, bitte gieße Deine Liebe in mein Herz hinein, die ich von meinen Eltern nicht bekommen habe und stärke meinen inneren Menschen. Stärke meinen Glauben und mein Vertrauen. Amen.  

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