„Ich bin, was ich bereit bin zu geben.“ Dieses Zitat stammt vom Psychoanalytiker Erik Erikson, der sich mit der Generativität befasst hat. Generativität ist eine der menschlichen Entwicklungsstufen, die wir im Laufe unseres Lebens erreichen sollten. Da geht es darum, sich um andere zu kümmern, unsere erworbenen Schätze, seien sie materiell oder seelisch-geistlich, an die nächste Generation weiterzugeben. Also rauszuwachsen aus dem „Ich, Ich, Ich!“, anderen Menschen den Vortritt zu lassen, sich bewusst zurückzunehmen, auch mal etwas zu opfern, zum Beispiel: Zeit, das mitunter kostbarste irdische Gut.
Unser Team Zeitschenken, geleitet von Pastoralassistentin Nadine Hof-Scharler und ihrer Stellvertreterin Kathrin Moschen, macht genau das: Es verschenkt Zeit, ohne eine gegenleistung zu erwarten. An Menschen, die ganz konkret Menschen brauchen. Es geht um echtes Zuhören und menschliche Nähe in herausfordernden Zeiten.
Eines der Arbeitsprinzipien des Team Zeitschenken ist: Tu nur Gutes, wenn es dir selbst guttut!
„Wir drängen uns nicht auf, wir tun nicht zwangsbeglücken, sondern wir gehen zu Menschen, die unser Zeitgeschenk gerne annehmen.“ So beschreibt es Teamleiterin Nadine. Jeder im Team macht nur so viel, wie er in seiner momentanen Lebenssituation kann und will.
Ganz wichtig ist den Zeitschenkern, dass die Nächstenliebe für alle Menschen gilt, und zwar egal, ob sie Teil der Kirche oder ausgetreten sind, ob sie einer anderen Religion angehören oder gar keiner. Nadine: „Wir sehen den Menschen mit all seiner Würde und möchten ihn als solchen wertschätzen.“
Gut zu wissen sowohl für die Zeitschenker als auch für jene, die sich gerne beschenken lassen, ist, dass es absolute Verschwiegenheit gibt. Es wird also nichts aus den Gesprächen nach außen getragen. Kommt das Team Zeitschenken zu einer Person nach Hause oder in ein Seniorenwohnhaus, so werden die Angehörigen über die geplanten Besuche informiert.
Die Zeitschenker arbeiten in der Regel in Zweierteams, was sich sehr bewährt hat. Es sind also immer zwei Teammitglieder für eine Familie, einen Menschen zuständig. Jesus hat seine Jünger auch zu zweit ausgesandt. „Das Schöne ist, man ist Teil eines Teams“, hebt Nadine hervor.
Zu wem kommen unsere Zeitschenker? Nadine nennt Beispiele: „Wir kommen zu Menschen, die viel allein sind oder sich sogar einsam fühlen. Gespräche, ein Spaziergang oder auf einen Kaffee zu gehen, kann sehr wertvoll investierte Zeit sein.“ Menschen in Seniorenheimen werden genauso besucht wie pflegende Angehörige, die einfach mal einen kurzen Tapetenwechsel, jemanden zum Reden brauchen.
Nadine beschreibt die wertschätzende Haltung, mit der die Zeitschenker in Gespräche gehen: „Wir sind nicht da, um zu ver- oder beurteilen.“ Es geht auch nicht darum, Lösungen anzubieten, sondern einfach darum, ein offenes Ohr zu haben, da zu sein.
Ein Teil des Dienstes konzentriert sich auf einen Besuch nach einem Todesfall. „Dort, wo die Pfarre in irgendeiner Weise eingebunden war, kommt in Bramberg und Neukirchen zwei bis drei Monate nach der Verabschiedung eine Person des Teams Zeitschenken und bietet ein Gespräch an. Wir möchten so zum Ausdruck bringen, dass die Menschen in ihrer Trauer nicht alleine sind“, erklärt Nadine. Die Angehörigen bekommen so die Möglichkeit, über den Verlust zu sprechen – ein immens wichtiger Teil der Verarbeitung. „Das Team Trauer gestaltet Kerzen mit dem Namen des Verstorbenen, die dann zu diesem Besuch mitgebracht werden“, erläutert Nadine.
Die Arbeit im Team Zeitschenken ist ehrenamtlich und sehr bereichernd; um die zehn Mitglieder gibt es schon. Die Grundeinschulung erfolgt über das Kernteam, darüber hinaus gibt es freiwillige Fortbildungsmöglichkeiten, etwa zur Gesprächsführung oder Psychohygiene. Das Team ist untereinander stets im Austausch – „um zu reflektieren, wie es mir mit meinem ehrenamtlichen Engagement geht und was ich brauche, damit es mir gut dabei geht“, wie Nadine erläutert.
Wenn du oder einer deiner Angehörigen gerne mit Zeit beschenkt werden möchtet, dann melde dich bei Nadine oder ihrer Stellvertreterin Kathrin – oder hinterlasse einen Zettel mit den entsprechenden Kontaktdaten in einem der Briefkästen unserer Pfarrkanzleien in Krimml, Wald, Neukirchen oder Bramberg.
Wenn du selber ein Teil des Teams werden möchtest, dann melde dich auch!
Wichtig: Das einzige, was du mitbringen darfst, ist die Grundhaltung, dass du Nächstenliebe leben möchtest.





