Sieglindes Ringen vor ihrem Jobwechsel

Von Sonja |
1. September 2026 |
Sonnenuntergang am Meer

Von der Bank in die Pfarre. Pfarrsekretärin Sieglinde Nothdurfter hat vor drei Jahren beruflich einen ziemlichen Schnitt gemacht.

Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen; umso besser findet sie ihren jetzigen Job. Dieser ist nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern durchaus international, wie sie uns erzählt. Auch im persönlichen Glaubensleben ist durch die neue Luft so einiges mit Siegi geschehen. 

Porträt von junger gläubiger Frau

Liebe Sieglinde, von der Finanzwirtschaft zur Kirche. Du bist seit nunmehr drei Jahren als Pfarrsekretärin in Neukirchen tätig. Davor warst du lange Zeit – über 30 Jahre – bei einer Bank. Wie war der Wechsel für dich? 

Die Entscheidung war für mich sehr schwierig. Das hätte ich mir nicht gedacht. Ich hatte schon länger im Kopf, dass ich eine berufliche Veränderung möchte, dass ich meinen Job nicht bis zur Pension machen will. Dann hat sich – durch einen Zufall – die Stelle als Pfarrsekretärin aufgetan.

Ich habe mich also damit auseinandergesetzt: Wie wäre das für mich? Bis ich mich letztendlich beworben habe, war es nicht einfach. Es ist ein großer Schritt, sich von seinem Umfeld, den Kollegen zu lösen. Das hat alles super gepasst. Ein großer Part war auch das Finanzielle, denn ich habe im Zuge des Wechsels meine Stunden reduziert. 

Wie siehst du dein Ringen im Rückblick? 

Im Nachhinein bin ich so froh. Es war 100-prozentig die richtige Entscheidung. 

Was gefällt dir in deinem neuen Job am meisten? 

Zuerst einmal war es ähnlich wie im alten Job: Ich habe ein Büro, ich habe mit Menschen zu tun – was mir sehr wichtig ist. Im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass das Zwischenmenschliche hier in der Pfarre so gut passt. Die Zusammenarbeit ist sehr kollegial und wertschätzend. Obwohl ich in Neukirchen eine Einzelkämpferin bin, sind wir ein Team von Krimml bis Bramberg, in dem wir uns sehr gut verstehen. 

Was ich auch mag, ist, dass meine Tätigkeit so abwechslungsreich ist. 

Und was waren oder sind die Herausforderungen? 

Ich musste natürlich erst hineinwachsen, die Leute kennenlernen. Beim Übergang hatte ich Glück: Meine Vorgängerin hat mir alles perfekt hinterlassen und mich eingeschult. Ich konnte sogar, was mich schlussendlich in meinem Entschluss bestärkte, eine Schnupperwoche machen. 

Deine Tätigkeit ist sehr vielfältig, du musst an viele organisatorische Dinge denken und bist auch eine Kommunikationsdrehscheibe. 

Eine große Herausforderung ist sicherlich, dass du dir deinen Tag selbst organisieren musst. Die ganzen To-dos und die vielen Sachen, die man rechtzeitig vorbereiten muss. Man darf nicht vergessen, was bei einem Termin alles dranhängt, es müssen alle, auch zum Beispiel die Ministranten, informiert werden. 

Ich mache beispielsweise die sogenannten Matriken für die drei Gemeinden Krimml, Wald und Neukirchen. Alle Taufen, Hochzeiten und Todesfälle bearbeite ich und es wird in kirchliche Bücher eingetragen. 

Dein Horizont hat sich durch deine Arbeitsstelle gleich in mehrerlei Hinsicht erweitert … 

2021, zwei Jahre vor meinem Jobwechsel, bin ich mit meiner Familie von Wald nach Neukirchen gezogen. Seit ich, als gebürtige Walderin, auch hier arbeite, fühle ich mich schon sehr heimisch in Neukirchen. Ich habe viele neue und nette Leute kennengelernt, was mir eine große Freude ist. 

Aber dein neuer Horizont geht weit über den Oberpinzgau hinaus …

Als unser Pfarrer längere Zeit wegen Krankheit ausgefallen ist, waren einige Aushilfen da – Priester aus Afrika, aus Indien. Mich haben fremde Kulturen schon immer interessiert. Ich finde es so schön, wenn sie von ihrer Heimat erzählen, von ihrem Leben. Ich staune über die Fröhlichkeit, die sie ausstrahlen, und über ihre Disziplin. Mit einigen haben wir noch immer ein bisschen Kontakt. 

Als Pfarrsekretärin hast du viel mit Menschen zu tun. Auch mit Menschen, die vielleicht nur punktuell Kontakt mit der Kirche haben, wenn es zum Beispiel um die Organisation eines Begräbnisses oder um die Anmeldung zu einer Taufe geht. Für diese Menschen bist du sozusagen das Gesicht der Pfarre. Was möchtest du ihnen mitgeben? 

Ich möchte den Leuten mitgeben, dass sie keine Hemmungen haben brauchen, wenn sie ins Pfarrhaus kommen. Mein Hauptanliegen ist, dass sie mit einem positiven Gefühl hinausgehen. Gerade, weil viele Menschen, abgesehen von der Taufe, sehr wenig  Bezug mehr zur Kirche haben. 

Du erzählst den Menschen auch, was es in unserem Pfarrverband überhaupt für Angebote gibt. 

Die persönliche Einladung ist so wichtig. Ich bekomme auch erst jetzt, seit ich hier arbeite, so richtig mit, was in den Pfarren alles passiert. Der Sunday Morning zum Beispiel spricht mich total an: Der Gottesdienst mit dem Impulsvortrag ist immer sehr berührend, dann noch, dass die Kinder das Evangelium so schön aufbereitet bekommen und die Eltern in Ruhe dabei sein können.  

Noch eine persönliche Frage: Welche Rolle spielt der Glaube in deinem Leben? 

Ich bin katholisch aufgewachsen. Ein Grund-Gottvertrauen, diese Gläubigkeit, das war immer vorhanden. Aber in der Hektik des Alltags ist es dann zu kurz gekommen. Jetzt erst entdecke ich es wirklich. Man muss sich schon auf den Weg machen, man muss suchen. 

An meinem Arbeitsplatz erfahre ich eine seelsorgliche Rundum-Versorgung. Ich kann Gespräche führen, die in die Tiefe gehen. Auch wenn’s einem einmal nicht so gut geht, ist jemand da. Ich gehe jetzt auch zum Bibelabend mit Kooperator Stefan, für mich sehr interessant. Auch habe ich schon diverse Lektüre bekommen. Ich merke, da passiert was mit meinem Glauben. 

Liebe Siegi, danke dir sehr für diesen inspirierenden Einblick!

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