Die große Stunde einer kleinen Glocke

Von Ruben Weyringer |
18. August 2026 |

Vor 101 Jahren wurde der Schilling als österreichische Währung eingeführt. Für 10.000 Kronen gab es einen Schilling. Vorher hatte es in unseren Gemeinden auch schönes Notgeld gegeben. Schade, dass es diese Motive – die Kriegerkapelle bei der Walder Pfarrkirche –  nicht auf die Schillingscheine schafften.

Bei einem besonderen Ereignis 1925 wurden in Wald stolze 240.000 Kronen (24 Schilling) für „Bier für die Musik und den Kriegerverein“ ausgegeben. Am Landesfeiertag Rupert und Virigl, dem 24. September, wurde die neue Glocke der Sixtuskapelle geweiht.

Diese kleine Glocke zu 61 kg, von der Glockengießerei Oberascher aus Salzburg, sollte noch wichtig werden für Wald. Zunächst jedoch ein Blick zurück, denn anhand der Kirchenglocken kann man einiges an Geschichte rekonstruieren.

DIE WALDER GLOCKEN
1884 bekam Wald „endlich“ einen Spitzturm. Für das bisherige Satteldach hatten die Walder nur Spott geerntet. Es wurden auch neue Glocken angeschafft. Wald verlor dabei einen ihrer größten historischen Schätze, eine berühmte Wetterglocke aus dem 14. Jahrhundert. Die „Hexenglocke“ war „eine der wenigen Bienenkorbglocken unserer Erzdiözese“. Sie wurde „aus religiösem Fanatismus mutwillig eingeschmolzen, um den damit verbundenen „Aberglauben“ auszumerzen“, so der Glockenexperte Josef Kral. Sie war eine so wirksame Wetterglocke, dass die erbosten Hexen den Rand abgebissen hatten, so die Legende.
Die Weihe, am 1. September 1884, war ein unvergessliches Fest, bei dem alle Register der Feierlichkeit gezogen wurden. (Siehe dazu unten einen Zeitungsbericht zur Glockenweihe)

Bild rechts: Das alte Wald mit dem alten Kirchturmdach auf einem Kalenderblatt gefunden auf der Facebook Gruppe Historischer Pinzgau.

DAS ERSTE MAL EINGESCHMOLZEN
Allerdings konnten sich die Walder nicht lange an den neuen Glocken erfreuen. Bis auf eine wurden sie 1917 abgenommen und für Kriegszwecke eingeschmolzen. Was für eine Barbarei, aber auch ein starkes Sinnbild für den Wahnsinn des Krieges. Gegossen, um Gott zu loben und das Leben zu feiern, die Menschen in allen Lebenslagen zu begleiten, werden sie zu Waffen entstellt. Teuflisch, wenn man bedenkt, dass Gott das Gegenteil verheißt. Laut dem Propheten Jesaja 2,4 sollen „Pflugscharen aus ihren Schwertern“ gemacht werden.

DAS ZWEITE MAL EINGESCHMOLZEN
1923 wurde unter Pfarrer Maximilian Hechenblaickner eine neue Marienglocke zu 600kg angeschafft. So gab es wieder zwei Glocken im spitzen Walder Kirchturm. Aber wiederum nicht lange. An traurigen Tagen im März 1942 wurden beide requiriert, abgeholt, eingeschmolzen.
Was ist ein Ort ohne Glocken? Eine Ansammlung von Häusern ohne ein schlagendes Herz. Das konnten und wollten die Walder nicht akzeptieren. So kam die große Stunde der kleinen Sixtusglocke. Von 1942 bis 1950 verkündet sie allein Freud und Leid, das Lob Gottes vom 42m hohen Walder Kirchturm aus über das weite Salzachtal. Solange, bis 1950 unter großen Anstrengungen der Walder Bevölkerung unter Pfarrer Karl Schwaighofer vier neue Glocken angeschafft und geweiht werden konnten.

Wiesberg Rosl hat zur Glockenweihe 1950 ein sehr tiefgehendes Gedicht verfasst:

Gedicht von Wiesberg Rosl zur Glockenweihe 1950

Vier Glocken klingen durchs Salzachtal,
es sind die vier Glocken die neuen.
Die kleine Gemeinde, die Opfer gebracht,
die mag sich heute erfreuen.

Vier Glocken klingen durchs Salzachtal,
sie läuten zur heiligen Messe,
auf daß der Mensch im Erdendrang
Seinen Herrgott niemals vergesse.

Vier Glocken klingen durchs Salzachtal
Sie rufen zum Traualtar
Sie wünschen Frieden u. Erdenglück
einem jungen bräutlichem Paar.

Vier Glocken klingen durchs Salzachtal.
Wie ist der Himmel so schaurig rot.
Vor Blitz, Gewitter u. Feuersgefahr
behüt‘ uns der liebe Gott!

Vier Glocken läuten durchs Salzachtal,
sie läuten dem Friedhof zu.
Sie läuten auch mir u. dir einmal
Am Wege zur ewigen Ruh.

Hier findet ihr eine genaue Beschreibung und Tonaufnahmen der Walder Glocken.

Diakon Ruben Weyringer

Hier ein Zeitungsbericht von der Glockenweihe 1884

(weitere Quellen zur Geschichte der Glocken werden mit der Zeit ergänzt‘)

 

Die Glockenweihe 1884 in einem Zeitungsartikel, Salzburger Chronik, 4.September 1884

Wald bei Neukirchen, 1. September (Glockenankunft) Ein gar seltenes Fest wurde am 28. V. Wald in Pinzgau gefeiert. Das lieblich gelegene Dörfchen Wald war der Zielpunkt der ganzen Festlichkeit. Um 5 Uhr morgens fuhr dies aus 34 Köpfen bestehende Musikkapelle von Bramberg aus fort und kam um 7 Uhr mit den 4 neuen Glocken von Wald in Obertrattenbach (zu Neukirchen gehörig) an. Dortselbst war ein sehr schöner Triumphbogen errichtet worden. Bald darauf zogen die löbl. Gemeinde Wald mit Fahnen, die Schuljugend, prangende Jungfrauen, der hochw. Herr Seelsorger, begleitet von zwei Mitbrüdern den mit Kränzen und Fähnlein zierlich geschmückten Glocken entgegen. Bei der Triumpfpforte trugen 3 weißgekleidete Schulmädchen mit den Symbolen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in den Händen, 3 recht nette Gedichtlein vor. Darauf setzte sich der lange Festzug in Bewegung unter den schallenden Klängen der Musikkapelle und dem Donner der Geschütze. In kaum einer Stunde waren alle vier Glocken, wovon die größte um 2 Zentner weniger wiegt wie die in Neukirchen, im neuen, schlanken Thurm untergebracht.

Vor 9 Uhr bestieg Se. Hochwürden und Gnaden geistl. Rath Herr Professor Dr. Auer die Stufen der Kanzel und legte in ¾ stündiger ausgezeichneter Rede die Bedeutung der Glocken für den Menschen auseinander.

Die Glocken sind ein Band, daß die Menschen mit Gott und Gott mit den Menschen verknüpft; sie sind eine Leiter, welche Himmel und Erde verbindet; der sinnliche Eindruck, den die Glocken auf uns Menschen machen soll uns zum Übersinnlichen erheben. Zuletzt legte der hochw. Festprediger der Gemeinde ans Herz, wie viel sie dem hochw. Herrn Seelsorger verdanke, der in seiner wahrhaft apostolischen Liebe keine Mühe gescheut, dieses Werk, welches schon so oft war angeregt worden, endlich zum Abschlusse zu bringen.

Nachdem der hochw. Mitschüler unseres Ortsseelsorgers seine sowohl durch den Inhalt als auch durch die schöne Sprachform und den deutlichen Vortrag ausgezeichnete Predigt beendet hatte, betrat derselbe im schönen Ornate, begleitet vom hochw. Herrn Seelsorger, Herrn Vikar von Krimml und Koadjutor von Neukirchen, die Stufen des festlich geschmückten Hochaltares, um den Allmächtigen den Dank darzubringen für den glücklichen Abschluß des Werkes und ihn zu bitten, daß er, der Geber alles Guten, den Wohlthätern aus Nah und Fern reichlich vergelten möge, was sie zu seiner Ehre und zur Verschönerung seines Haues beigetragen. Die kirchliche Feier wurde mit Tedeum geschlossen, wobei alle Glocken geläutet wurden ,die nun ebenso schön zusammenstimme, wie die in Neukirchen. Man muß persönliche zugegen gewesen sein, um sich einen annähernden Begriff machen zu können von der allgemeinen Freude, die sowohl die Nachbargemeinden wie auch die Gemeinde Wald und insbesonders aber ihren hochwürdigen Herrn Vikar beseelte, der ja selbst sagte, daß ihm dieser Tag ebenso unvergeßlich bleiben werde, wie er 24. August 1864, an welchen er Gott sein Erstlings-Opfer darbrachte.

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