9. Februar 2022

Von Ruben Weyringer

Benedikt XVI. über Missbrauch – Schmerz und Vertrauen auf Gott

Papst em. Benedikt XVI. wurde in den letzten Wochen heftig angegriffen. Er hat darauf mit einem bewegenden Brief an die Gläubigen reagiert, um erneut um Entschuldigung zu bitten, aber mehr noch auf die Vergebung zu blicken, die Gott jedem Menschen schenken will. Der Brief ist ein bewegendes Zeugnis des Schmerzes über den Missbrauch, aber auch des Vertrauens auf die Güte Gottes. ER verlässt seine Kirche nicht, selbst wenn wir schlafen wie die Jünger am Ölberg und so schuldig werden.

Der Hintergrund: In eine 200 Seiten lange Stellungnahme zu Missbrauchsfällen in der Erzdiözese München hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Es ging darum, ob er als Erzbischof von München an einer Sitzung teilgenommen hatte, in der es „ um die Unterbringung des jungen Priesters X.“ ging, „weil er sich in München einer Therapie unterziehen sollte“. Es ist nun eindeutig geklärt, dass bei dieser Sitzung weder der Grund der Therapie noch ein Einsatz in der Seelsorge Thema war (dazu hier die sehr aufschlussreiche Aufklärung der Vorwürfe). Es wurde Fehler bei den Angaben gemacht ob Benedikt dabei war, das Alter Benedikts (95!) und die 8000 in kurzer Zeit zu bearbeitenden Dokumentseiten könnte zumindest für mildernde Umstände sorgen. „Daß das Versehen ausgenutzt wurde, um an meiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln, ja, mich als Lügner darzustellen, hat mich tief getroffen“ schreibt Benedikt XVI. Es ist ein schmerzendes Symptom unserer Zeit, dass keine Fehler toleriert und so leichtfertig Menschen und ihr Ansehen zugrunde gerichtet werden. Daher ist es heil- und lehrsam die tief spirituelle Reaktion Benedikts auf die Angriffe gegen ihn zu lesen.

Hier findet Ihr den gesamten Brief im Wortlaut, und hier einen bewegenden Ausschnitt daraus:

„ […] Bei all meinen Begegnungen vor allem auf mehreren Apostolischen Reisen mit von Priestern sexuell mißbrauchten Menschen habe ich den Folgen der übergroßen Schuld ins Auge gesehen und verstehen gelernt, daß wir selbst in diese übergroße Schuld hineingezogen werden, wenn wir sie übersehen wollen oder sie nicht mit der nötigen Entschiedenheit und Verantwortung angehen, wie dies zu oft geschehen ist und geschieht. Wie bei diesen Begegnungen kann ich nur noch einmal meine tiefe Scham, meinen großen Schmerz und meine aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Mißbrauchs zum Ausdruck bringen. Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen. Umso größer ist mein Schmerz über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind. Jeder einzelne Fall eines sexuellen Übergriffs ist furchtbar und nicht wieder gut zu machen. Die Opfer von sexuellem Missbrauch haben mein tiefes Mitgefühl und ich bedauere jeden einzelnen Fall.

Immer mehr verstehe ich die Abscheu und die Angst, die Christus auf dem Ölberg überfielen, als er all das Schreckliche sah, das er nun von innen her überwinden sollte. Daß gleichzeitig die Jünger schlafen konnten, ist leider die Situation, die auch heute wieder von neuem besteht und in der auch ich mich angesprochen fühle. So kann ich nur den Herrn und alle Engel und Heiligen und Euch, liebe Schwestern und Brüder, bitten, für mich zu beten bei Gott unserem Herrn. […]“

 

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