24. November 2021

Von Ruben Weyringer

„Kirchen – die Paläste der Armen“ Predigt von Diakon Ruben im Dom

Zum Hochfest Christkönig (21.11.21′) durfte ich im Dom zu Salzburg beim Hochamt predigen – ein wirklich besonderes Erlebnis.

Unsere Würde bekommen wir allein von Gott. „Kirchen sind die Paläste der Armen“ (Hans Werner Feichter), jeder darf hier rein! Wir sind durch die Taufe Priester, Könige und Propheten. Priester haben die Aufgabe zu heilen, Propheten die Wahrheit zu sagen und die Würde eines Königs kann nie genommen werden.

Die Predigt im Wortlaut:

Liebe Gläubige, liebe Schwestern,liebe Brüder,

Mein Name ist Ruben Weyringer und ich bin seit 11 Jahren schon im kirchlichen Dienst im Oberpinzgau, ganz oben wo die Salzach entspringt, wo Salzburg beginnt. Ich lebe mit meiner Frau und meinen 3 Kindern in Wald im Pinzgau und arbeite dort in den Pfarren Krimml, Wald, Neukirchen, Bramberg und seit 8 Monaten genau, heute vor 8 Monaten sind wir geweiht worden, erstreckt sich auch mein Wirken als Diakon ein bisschen weiter noch bei uns im Oberpinzgau. Ja, wir 8 hätten geweiht werden sollen heute vor einem Jahr am Christkönigssonntag, ich glaube das war der 23. letztes Jahr, aber, so aus den Weltumständen her, ist das verschoben worden, und jetzt sind wir seit 8 Monaten Diakone. Und der Herr Domdechant Sagmeister hat uns angeboten und hat gesagt an diesem Tag da darf auch wer von euch predigen, von uns Diakonen, und so ist das Los gewissermaßen auf mich gefallen und ich darf das jetzt tun, ich darf euch das Wort Gottes auslegen, und darf verkünden was Gott, was Jesus macht, wirkt tut für uns.

Es ist schon sehr erhebend hier in diesem Dom zu sein. Es ist ein unglaublicher Platz denke ich, eine unglaubliche Klarheit in diesem Raum und gleichzeitig eine Verspieltheit, es ist eine Pracht es ist erhebend. Und doch empfinden viele Menschen und sagen viele Menschen: „Ja die Kirche, dieser ganze Prunk, das Gold, und so viele Schätze, Jesus wäre da gar nicht zufrieden mit uns“. Ja, so kann man denken. Ein sehr enger Freund unserer Familie, er ist fast genau vor 20 Jahren viel zu früh verstorben, ein sehr tiefer Menschen nach außen ganz einfach, Hans Werner Feichter hat er geheißen, der hat ähnlich gedacht, ein spirituell ganz tiefer Mensch. Auf einmal ist ihm der Knopf aufgegangen und er hat zu uns gesagt: „Wisst ihr was: die Kirchen sind die Paläste der Armen“. Die Kirche ist der Palast der Armen wo jeder rein darf. Es war früher so und eigentlich ist es heute genau so: wer darf in die Paläste, in die Schlösser, wer darf da rein? Die Großen, die die besser sind, die mehr wert sind oder meinen sie sind mehr wert, denen mehr anvertraut ist die das aber irgendwie auf sich selbst beziehen. Maximal darf vielleicht ein Mensch rein, wenn er dann in der Küche arbeitet oder Gärtner ist und so aber nein, da haben wir keinen Zutritt. Und das ist nicht irgendwann im Mittelalter oder sonst wo, heute ist es ja sehr ähnlich denke ich, was sich Leute für Villen bauen und für was sie ihr Geld ausgeben….ja…da dürfen wir anscheinend nicht rein. Aber die Kirchen sind immer offen für alle, die Kirchen sind die Paläste der Armen. Das war früher so und das ist heute so. Jeder Mensch kann rein und soll rein. Die Kirche ist eben der Platz, wo wir vor Gott alle gleich sind. Wo in der Kirche das anders gelebt wurde oder wird, ich denke da versündigen wir uns am Evangelium. Ich selber habe auch die Erfahrung gemacht, ich durfte ein Jahr in Südamerika sein in unserer Partner Diözese San Igancio de Velasco, da könnte man auch sagen: „Ja, verkauft doch alles und gebt es den Armen“. Interessanterweise, die Menschen die gekommen sind und die Kirchen geschmückt haben, die Menschen die es schön haben wollten, waren genau diese Armen. Es war der eine Platz wo sie gespürt haben, das sie nicht weniger sind, das sie nicht darunter stehen.

So sind wir jetzt Diakone und ich erlebe das sehr intensiv bei einer unserer Hauptaufgaben. Es ist bei den Taufen. Bei den Taufen erlebe ich das sehr stark, dass ich das tun darf, dass ich vermitteln darf, dass ich im Namen der Kirche, dass ich im Namen Gottes eigentlich den Menschen sagen darf: Du Kind – meistens sind es ja Kinder – du bist Kind Gottes, du bist ein Stück Himmel auf Erden, ja man kann eigentlich wirklich sagen: bei der Taufe, du bist für uns ein Ort der Gegenwart Gottes. In der Taufe nimmt Gott dich ganz in sich hinein, Gott ist in dir und du bist in Gott. Und wir dürfen das nicht tun, es tut alleine Gott, aber wir dürfen das den Menschen sagen, wir dürfen es den Kindern sagen, und wir können und dürfen es bei der Taufe genauso gut allen Eltern und allen die da sind sagen: du bist Kind Gottes. Du gehörst nicht irgendwem anderen, du gehörst niemanden, es ist auch nicht so – ich habe eben selber 3 Kinder – die Kinder gehören nicht mehr, aber ich gehöre auch nicht den Kindern. Nein, alle gemeinsam gehören wir nur einem, und das ist Gott. Das ist der, der uns jetzt nimmt, der uns ganz innen haben will. Er ist nicht der Gott für uns, er ist der Gott mit uns, und bei der Taufe, nachher auch in der Eucharistie Feier, erleben wir: er ist der Gott in uns. Gott in uns und wir in Gott.

Von meinem Vater, er ist auch Diakon, habe ich da etwas sehr schönes ein bisschen gelernt. Weil die Taufe beginnt ja draußen vor der Kirche, vor der Schwelle. Hinter der Schwelle beginnt etwas neues, näher zu Gott, ein Bund wird geschlossen. Und mein Vater sagt bevor man reingeht zum Kind: „Du! Nimm deine Kirche in Besitz“. Dieses Haus ist jetzt dein Haus, es ist die Pforte zum Himmel und das Haus Gottes, wenn Gott uns als Kinder annimmt, dann sind wir auch Erben heißt es einmal. Nimm dein Haus in Besitz, aus diesem Haus kann dich niemand rauswerfen. Dieses Haus soll dein Spielzimmer sein als Kind, es soll dein Wohnzimmer sein, es ist dein Besitz, und das gilt für jede Kirche dieser Welt. Wenn wir Kinder Gottes sind, dann ist das unser Haus. Und die Kirche steht eben symbolische genau auch für das: es ist ein Stück Himmel auf Erden. Es soll uns zeigen, wer wir wirklich sind, wer wir vor Gott sind. Die Kirche in Besitz nehmen und sagen, das ist mein Lebensraum, das ist wo ich wirklich atmen kann, wo ich wirklich frei bin, und wo ich eben nicht eingeschränkt bin von der Meinung anderer oder von meiner eigenen Meinung.

Gleich nach der Taufe, also nachdem wirklich diese Taufe geschieht, gibt es diesen unglaublich alten und tiefen Ritus der Chrisam Salbung. „Du bist Priester, König und Prophet“ wird jedem Menschen in der Taufe gesagt. Ich habe auch einen Onkel der Prieser ist, und ich habe in diesen 8 Monaten schon einmal eine Taufe direkt nach ihm machen dürfen. Da bin ich ein bisschen vorher reingeschnurkt und habe zugehört, und da habe ich auch etwas sehr schönes gehört. Er hat gesagt: „du bist Priester, König und Prophet. Ein Priester soll Heilung bringen, sich um die Seelen Sorgen, ein Prophet soll die Wahrheit sagen, nicht die Zukunft, die Wahrheit, und ein König hat eine Würde, die nie genommen werden kann“. Eine Würde, die von innen kommt und eben nicht von außen. Ein König hat auch eine Freiheit ein König hat auch eine Verantwortung. Jeder von uns ist also durch die Taufe vor Gott ein Priester König und Prophet. Diese Würde hängt eben von niemand anders ab, auch nicht von uns selbst, sie hängt nur von Gott ab, die Würde die er uns schenkt.

Ich denke manchmal wir müssten uns viel öfters daran erinnern. Vielleicht wenn wir in der Früh aufwachen und ganz zerzaust sind und vielleiht ein bisschen heiser sind oder irgendwas vor uns liegt, müssten wir vielleicht unserer Frauen anschauen oder die Frauen ihre Männer und sagen: „Hey, vergiss nicht, du bist Priester König und Prophet“. Oder vielleicht, mir ist gesagt worden, wenn Kinder älter werden gibt’s da oft ganz schwierige Situationen. Meine sind jetzt 8, 6 und 4, da ist viel los, viel leben, aber es noch nicht so schlimm. Vielleicht in 8 Jahren ist es anders, vielleicht muss ich mich dann daran erinnern und sagen: „Hey, sie sind aber doch Priester, Könige und Propheten“, egal was ihnen jetzt alles entfällt, oder wie sie sich dagegen wehren. Priester Könige und Propheten – wenn wir uns daran erinnern, ich denke das kann uns innerlich unglaubliche Freiheit geben und Kraft entfesseln. Weil, wenn wir alle Priester Könige und Propheten sind vor Gott dann verhindert das beides. Das wir uns drunter stellen und das Gefühl bekommen, „ich bin da nur ein Rädchen im großen Getrieben und ich habe nichts zu sagen, ich bin überhaupt nicht wichtig, die andern sind viel mehr“. Es verhindert das,  aber es verhindert auch das wir runter schauen und uns vorkommen, „boah, ich bin da etwas größeres“. Nein, Priester, Könige und Propheten, Gott macht uns dazu und er allein schenkt uns das.

Heute feiern wir eben diese Christ-Königs-Fest. Diese Fest der Würde, dieses Fest der Freiheit. Interessant ist, dass ja gerade dieses Fest in Zeiten wo Menschen und Christen sehr bedrängt waren, dass sie aufgestanden sind und gesagt haben: „Das kann uns nie jemand nehmen“, es ist das fest der Würde und der Freiheit.

Aber was für ein König ist Jesus? Wir haben es im Evangelium gehört. Es ist ja fast wie ein Blick in den Karfreitag wo wir die ganze Passion hören. Der Thron dieses Königs ist das Kreuz. Es ist eben nicht der äußere Glanz in diesem Moment, sondern es ist das was er ist, wer er ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Papst Benedikt hat das in einem Satz ganz klar gesagt: „der Ort der Wandlung ist das Kreuz“. Es ist nicht allein der Abendmahlssaal. Es ist der Abendmahlssaal und das Kreuz. Und dort geschieht diese Verwandlung. Und so, wenn wir durch die Taufe Teil Jesu sind, Teil der Kirche, des Leibes Christi, wenn Jesus in uns lebt und wir in Jesus leben, dann ist das wohl der Weg, den auch wir gehen. Dass dieser erste Thron auch in unserem Leben das Kreuz ist, wo wir unsere Königswürde leben als Kinder Gottes und Anteil am Priester König und Prophet der Christus vollkommen ist haben. Aber nachher sehen wir einen anderen Thron. Eben wenn er gewandelt wird, wenn Jesus in der Wandlung die ganze Welt zu sich holen will und verwandeln will. Und dieses unglaublich schöne Altarbild, die Auferstehung, da sehen wir Jesus dann in dieser Herrlichkeit. Und so gehen wir diesen Weg mit ihm. Wir feiern, dass wir Teil von ihm sind, von Gott, wir feiern das Jesus in uns ist und wir in ihm sind. Wir sind Priester Könige und Propheten mit ihm, und wen wir so zu ihm gehören und teil von ihm sind, ich glaube, dann soll uns wirklich nie bange werden, egal was kommt.

Guter Gott schenke uns das, dass wir leben als deine Kinder, als Prieser Könige und Propheten. Amen.

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