Junge Menschen haben ein besonderes Gespür für Echtheit, sie suchen nach Werten, nach der Wahrheit. Das wissen auch die Soziologen: Gerade in der heutigen fragilen Zeit, wo nichts mehr sicher ist, wo sich die Welt dauernd ändert, wo Krieg herrscht und wirtschaftliche Zerbrechlichkeit, wo die Zukunft alles andere als planbar ist, wo wir scheinbar hundert und eins Möglichkeiten haben – gerade in dieser Zeit ist die Sehnsucht nach Orientierung stark.
Diese Orientierung, das, worum’s im Leben wirklich geht, die Wahrheit eben, die bietet die Kirche an, die Braut Christi.
Jesus IST schließlich der Weg, die Wahrheit und das Leben. Junge Menschen, die das erkannt haben, brennen für Jesus. Auch – und gerade – heute noch. Auf eine Weise, die so manchen ausgewachsenen Christen wieder neu entflammen lässt. Wenn schon, denn schon, oder: lau ist mau! Da geht’s dann nicht mehr ums Kirchgehen aus Gewohnheit oder damit die Verwandtschaft nicht beleidigt ist, sondern um Lobpreis aus voller Kehle, aus vollem Herzen, um eine persönliche Beziehung zu Gott.
Genau das vermittelt Rosmarie Feldbacher ihren Schülerinnen und Schülern auf beeindruckende Weise. Im Interview erzählt sie uns über ihre Arbeit – in der Schule und hinter den Kulissen des Jugendgottesdienstes.
Liebe Rosmarie, Jugendgottesdienst, was ist das? Kannst du uns ein bisschen erzählen, was das Besondere ist an einem Gottesdienst von und für junge Menschen?
Der Jugendgottesdienst ist nichts anderes als Heilige Messe gemeinsam zu feiern. Der Unterschied ist, dass an diesem Abend rund 30 bis 40 junge Leute da sind, die den Gottesdienst musikalisch gestalten. Sie feiern in der Gemeinschaft Jesus Christus.
Wir treffen uns an dem Tag bereits um 15:00 Uhr, proben dann in der Kirche die Lieder, wir lachen und jausnen gemeinsam, dann spielen wir noch etwas zur Festigung der Gemeinschaft. Um 18:30 Uhr beginnt die Hl. Messe in der Kirche. Im Anschluss nehmen wir noch alle, die gerne möchten, mit zum Jugendgebetskreis (prayer session) und ganz zum Schluss gibt’s noch Pizza. Um 21:00 Uhr beenden wir unsere gemeinsame Zeit.
Wir versuchen, die unterschiedlichsten Talente der Kids herauszukitzeln und sie zu stärken. Ganz wichtig ist auch die handyfreie Zeit. Wir dürfen zusehen, wie die Kinder das genießen, ganz bei der Sache zu sein.
Wir sind in dieser Zeit einfach zu 100 Prozent für die Jugendlichen da. Das geht nur, weil ich meine „Tehillas“ (mein Erwachsenen-Lobpreischor) als Rückenstärkung dabeihabe.
Der Jugendgottesdienst wird gestaltet vom Jugendchor „worship on fire“. Welche Rolle spielt der Lobpreis – für junge Menschen und für dich persönlich in deinem Glauben?
Lobpreis öffnet die Herzen. Und das ist es, was wir in dieser Zeit besonders brauchen. Lobpreis ist eine Art von Gebet. Eine von meinen Tehillas hat mal gesagt: „Dasogn tua i’s nit, owa dasinga scho!“ Die Jugendlichen nehmen das sehr ernst. Wir versuchen ihnen auch zu vermitteln, dass wir einzig für den Herrn singen und deshalb auch nicht nervös sein brauchen. Und wenn sie dann vorne stehen und vielleicht bereits ein Solo singen dürfen, dann denke ich mir: Ja!
Die Freude und Begeisterung, die die Kids in der Gruppe spüren, ist unglaublich. Oft sagen wir, das hat uns der Herr geschenkt. Ich bin auch überzeugt, dass die Kirche, dieser durchbetete Kirchenraum, das Wirken und die Präsenz Gottes noch deutlicher spürbar macht.
Für mich bedeutet Lobpreis ganz vertieft sein zu dürfen in der Gegenwart Gottes. In dieser Zeit bringe ich alles zum Herrn. Freuden, Sorgen, Fragen …
Du hast ein großes Herz für junge Menschen, bist ja auch Religionslehrerin an der Mittelschule Neukirchen. Was gefällt dir an der Arbeit mit Jugendlichen?
Ich denke, es ist für mich die schönste, erfüllteste Arbeit, die ich ausüben darf. Die Jugendlichen sind meist unvoreingenommen, unkompliziert und wissen genau, ob ich ihnen auf Augenhöhe begegne. Sie wissen auch ganz genau, ob ich hinter dem stehe, was ich da so verkünde, oder nicht. Religion ist das Fach in der Schule, wo sie alles fragen dürfen. Ich sage immer: Es gibt keine dummen Fragen, wir können über alles reden. Was mir auch so gefällt, das ist der Humor. Nicht selten, dass alle in der Klasse schallend lachen.
Mir ist es besonders wichtig, dass sich die Kinder mit den Basics unserer Religion befassen, damit sie auch wissen, was wir glauben. Die große Hoffnung und Freiheit, die wir in die Welt bringen dürfen. Gerade wenn es um die Fragen geht: „Wo komm ich her, was ist mein Sinn, wo geh ich hin?“
Was können wir in Bezug auf den Glauben von Jugendlichen lernen? Glauben Jugendliche anders?
Sie glauben ungezwungener und unvoreingenommen, nicht so kompliziert und verkopft, mehr mit dem Herzen. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,3) – das sage ich ihnen oft, dass sie uns Erwachsenen weit voraus sind. Wenn ich sie dann frage, warum Jesus das gesagt hat, kommen schon die Antworten daher: „Eh ganz klar, wir haben ja auch noch nicht so viele Sünden …“ oder: „Die Erwachsenen meinen alles besser zu wissen …“
Du bist selbst stark im Glauben, pflegst eine persönliche Beziehung mit Jesus, betest. Wie vermittelst du jungen Menschen diesen lebendigen Glauben jenseits von Jahreszahlen und Fakten?
Ich hoffe sehr, durch mein Leben. Durch die Freude, das Lachen, mit dem Gebet. Wenn jemand krank ist in der Klasse, beten wir zu Beginn gemeinsam für denjenigen. Die Bibel ist immer dabei, damit wir bei allen möglichen Fragen schauen können, was sagt die Bibel dazu, was sagt Jesus? Und dann kommt man drauf, die Probleme der Menschen damals und unsere heute sind oft sehr ähnlich.
Was ist deine Vision für die Jugend im Oberpinzgau?
Vision ist ein großes Wort … Das überlasse ich lieber dem Herrn.





