Lieben = sich verletzlich machen

Von Ruben Weyringer |
14. Dezember 2022 |

Seitdem ich Diakon bin, lerne ich viel über unseren Glauben. Er ist eine unerschöpfliche Schatztruhe, die es zu öffnen gilt. Ein frisch getaufter Erwachsener hat einmal zu einem 93-jährigen Mönch gesagt: „Es ist herrlich, jeden Tag lerne ich etwas Neues über unseren Glauben!“, der Mönch antwortete: „Mir geht es genauso!“.

Heute möchte ich über „Glauben“ schreiben. Oft meinen wir gläubig sein heißt, dass man besonders brav ist; oder dass man besonders viel weiß über die Bibel, über die Heiligen oder über die Lehre der Kirche. All das ist schön und gut, aber nicht „Glaube“.

Glaube bedeutet im Kern „Beziehung“. Das lateinische Wort für Glaube ist „credere“ von „cor dare“, was „Herz geben“ bedeutet. Wenn ich an jemanden Glaube, dann gebe ich also ihm oder ihr mein Herz. Doch was geschieht, wenn man jemanden sein Herz gibt? Viele haben es erlebt (vielleicht, als du den Menschen deines Lebens trafst?): Man wird verletzlich. Man macht sich sogar freiwillig verletzlich, denn man öffnet sein Herz für den anderen, weil man an ihn glaubt, ihm vertraut. Ohne es auszusprechen, sagt man dem anderen: „Hier hast du mein Herz, geh behutsam damit um, ich gebe es dir, nur dir“. Jemanden lieben, an jemanden glauben, bedeutet verletzlich werden für den anderen.

Genau so hat es Gott getan. Der Allmächtige, unfassbare Gott hat sich verletzlich gemacht, indem er Mensch wurde. Er hat sich als Baby in die Hände und in das Leben von Maria und Josef gelegt, hilfsbedürftig und schwach, im Vertrauen darauf, dass sie auf ihn schauen werden. Gott legt sich genauso in die Hände eines jeden von uns. Halten wir ihn fest und warm und geben ihm Nahrung, auf das er wachsen und in uns leben kann? Oder setzen wir Gott, der sich so sanft und wehrlos in unser Leben hineingelegt hat, aus, lassen ihn verkümmern oder gar verhungern? Gott hat sein Herz für uns geöffnet und hat sich für uns verletzlich gemacht, weil er an uns glaubt. Wollen auch wir Gott unser Herz geben und an ihn glauben? Trauen wir uns vor Gott schwach sein, weil wir ihm vertrauen?

In diesem Sinne wünsche ich euch gesegnete Weihnachten und ein gutes Jahr 2023. In Vorfreude auf den gemeinsamen Weg, der vor uns liegt, erbitte ich euch Gottes Segen!

Gott mit uns und wir gemeinsam

Euer Diakon Ruben Weyringer

(Aus: Walder Gemeindeblatt 2022)

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